Der Arlberg ist keine Region, die man umfährt, er ist die Region, wegen der man kommt: ein Passsattel auf der Wasser- und Sprachscheide zwischen Vorarlberg und Tirol, flankiert von der Flexen-Rampe mit ihren berühmten Lawinengalerien. Wer den Arlbergpass und den Flexenpass an einem Tag verbindet, hat zwei der markantesten Alpenübergänge Österreichs im Griffgefühl. Rundherum stapeln sich Anschlüsse Richtung Silvretta, Tannberg und Verwall, sodass sich aus dem Kernrevier problemlos ganze Tagesschleifen bauen lassen.
Der Arlbergpass — die West-Ost-Achse
Der Arlbergpass (circa 1793 m, Höhe vor Anreise prüfen) ist die klassische Verbindung vom Vorarlberger Klostertal hinüber ins Tiroler Stanzertal. Er trägt seit jeher den Durchgangsverkehr über die Ostalpen-Hauptkette und ist als Hauptstraße ganzjährig auf Befahrbarkeit ausgelegt — anders als die reinen Saisonpässe der Umgebung. Für Motorradfahrer heißt das: gut ausgebauter Belag, großzügige Kehren auf beiden Rampen und eine Passhöhe, die man auch bei durchwachsener Prognose meist erreicht. Die westliche Auffahrt aus dem Klostertal ist die steilere, kurvenreichere Seite; nach Osten läuft die Straße gestreckter Richtung St. Anton aus. Wer die freie Streckenführung sucht, fährt den Pass — wer nur schnell hinüber muss oder das Wetter kippt, hat mit dem Arlbergtunnel eine mautpflichtige Alternative (Gebühr und Öffnung vor Anreise prüfen), die den Sattel komplett unterfährt.
Der Flexenpass und die Lawinengalerien
Das eigentliche Zugpferd des Reviers ist der Flexenpass (circa 1773 m, Höhe vor Anreise prüfen). Er zweigt oberhalb des Arlberg-Westhangs bei Alpe Rauz ab und schraubt sich über eine der spektakulärsten Galeriestrecken der Ostalpen hinauf nach Zürs und weiter nach Lech. Die in den Fels gebauten Lawinengalerien sind das Wahrzeichen der Strecke: halboffene Tunnelbögen, die die Straße durch die lawinengefährdeten Steilflanken tragen und im Wechsel von Schatten, Fensterblick und Talabbruch eine ganz eigene Fahrdramaturgie erzeugen. Fahrtechnisch ist die Flexen eng, felsnah und verlangt saubere Blickführung — hier zählt Präzision mehr als Tempo. Die Galerien machen den Abschnitt zwar wetterfester, doch bei akuter Lawinenlage kann die Verbindung gesperrt werden; der Streckenstatus ist vor der Auffahrt zu prüfen.
Stuben und St. Christoph — die Orte am Sattel
Stuben liegt am Fuß der Vorarlberger Arlberg-Rampe, dort wo Klostertal und Flexen-Abzweig zusammenlaufen — ein natürlicher Sammelpunkt und Tankstopp, bevor es entweder über den Pass nach Tirol oder über die Flexen zum Tannberg geht. Oben am Sattel markiert St. Christoph am Arlberg die Passhöhe auf der Tiroler Seite, historischer Hospiz-Standort und heute Orientierungspunkt kurz vor der langen Abfahrt nach St. Anton. Beide Orte sind klein, aber verkehrsgünstig gelegen: Von hier erreicht man in wenigen Minuten die Einfahrten von Arlbergpass, Flexenpass und Arlbergtunnel — ideal, um Touren flexibel an Wetter und Sperren anzupassen.
St. Anton am Arlberg und das Stanzertal
Auf der Tiroler Ostseite fällt die Passstraße hinab nach St. Anton am Arlberg, dem Hauptort des Stanzertals. St. Anton ist das östliche Tor des Reviers: Hier trifft die Arlberg-Straße auf die Talführung Richtung Landeck und Inntal, und hier beginnt für viele die Tagesschleife über den Pass zurück nach Vorarlberg. Das Stanzertal selbst ist von den mächtigen Flanken der Verwallgruppe im Süden und der Lechtaler Alpen im Norden gefasst — eine enge, hochalpine Talkammer, die die Anfahrt zum Pass entsprechend eindrucksvoll rahmt. Wer aus dem Osten anreist, nimmt St. Anton als logischen Ausgangspunkt für Arlberg und Flexen.
Lech und Zürs am Tannberg
Über die Flexen-Galerien erreicht man das Hochtal von Zürs und Lech, das bereits zum Tannberg gehört. Zürs liegt direkt oberhalb der Galeriestrecke und ist der erste Ort nach der Passhöhe; Lech folgt talwärts entlang des Lech-Oberlaufs. Für Motorradfahrer sind die beiden Orte weniger Ziel als Drehscheibe: In Lech teilt sich die Route — talauswärts läuft sie über den Hochtannbergpass weiter Richtung Bregenzerwald, sodass sich Flexen und Hochtannberg zu einer geschlossenen Runde über den Tannberg fügen lassen. Diese Kombination ist die klassische Genussschleife des Nordreviers, hoch gelegen und landschaftlich offen.
Das Klostertal — die westliche Auffahrt
Von Vorarlberger Seite führt das Klostertal als lange, stetig steigende Talrampe zum Arlberg hinauf. Es beginnt im Raum Bludenz/Braz und zieht sich entlang der Alfenz nach oben bis Stuben, wo die eigentliche Passkehren-Auffahrt einsetzt. Das Tal ist die verkehrliche Lebensader der Westseite und zugleich der Zulauf für alle, die aus dem Rheintal oder aus dem Montafon zum Arlberg wollen. Fahrerisch ist es der ruhigere Teil der Anfahrt — gestreckt und gut einsehbar —, der die Spannung für die Spitzkehren weiter oben aufbaut. Wer aus dem Westen kommt, hat hier die Wahl, ob es über den Pass nach Tirol oder über den Flexen-Abzweig nach Lech gehen soll.
Die Verwallgruppe als Kulisse
Südlich der Arlberg-Achse baut sich die Verwallgruppe auf, ein schroffes, wenig erschlossenes Gebirge zwischen Klostertal, Stanzertal und Paznaun. Für den Reisenden ist sie vor allem Kulisse: Sie gibt der Passstraße ihre hochalpine Wucht und trennt das Arlberg-Revier vom südlich anschließenden Silvretta-Raum. Straßen führen kaum hinein, was die wenigen Übergänge ringsum umso wertvoller macht — die Verwallgruppe ist der Grund, warum man von St. Anton nach Süden großräumig um sie herumfahren muss, statt sie direkt zu queren.
Anschluss Silvretta-Hochalpenstraße — derzeit nur von Tirol
Wer das Kernrevier nach Süden erweitern will, koppelt die Silvretta-Hochalpenstraße an — mit einer wichtigen Einschränkung: Die Vorarlberger Westrampe ab Partenen ist nach Murenabgängen bis voraussichtlich 2030 gesperrt. Erreichbar ist die Bielerhöhe derzeit nur von der Tiroler Seite: von St. Anton über Landeck ins Paznaun, durch Ischgl bis Galtür und die Ostrampe hinauf (seit Juni 2026 wieder offen), zurück auf gleichem Weg. Eine Durchfahrt ins Montafon gibt es bis zur Wiedereröffnung nicht; aktuellen Status und Maut vor der Anreise prüfen.
Anschluss Hochtannbergpass und Tannberg
Nach Norden schließt der Hochtannbergpass das Revier an den Bregenzerwald an. Er beginnt oberhalb von Lech, führt über den Tannberg hinweg und läuft Richtung Schröcken und Warth ins Vorarlberger Hinterland aus. Für die Rundtour ist er das Gegenstück zum Flexenpass: Flexen hinauf nach Lech, Hochtannberg hinaus — so entsteht ohne Doppelbefahrung eine geschlossene Hochgebirgsschleife. Auch hier gilt der Saisonvorbehalt: Der Hochtannbergpass liegt hoch und kann bei Wintereinbruch gesperrt sein, weshalb sein Status ebenfalls vorab zu prüfen ist.
Praxis: Sperren, Wetter, Alternativen
Das Arlberg-Revier lebt vom Zusammenspiel wetterfester und saisonaler Strecken. Verlässliches Rückgrat sind Arlbergpass und Arlbergtunnel, die die West-Ost-Verbindung praktisch ganzjährig sichern — der Pass für die Fahrfreude, der Tunnel als mautpflichtige Schlechtwetter- oder Sperr-Alternative. Die Höhenstrecken ringsum sind dagegen wetter- und saisonabhängig: Der Flexenpass kann bei Lawinengefahr trotz Galerien schließen, der Hochtannbergpass ist im Winter dicht, die Silvretta-Westrampe bleibt bis voraussichtlich 2030 gesperrt, und einzelne Zubringer werden zeitweise gesperrt. Wer eine Runde plant, sollte deshalb vor der Abfahrt die aktuellen Öffnungs- und Mautangaben prüfen und den Arlbergtunnel als Rückfalloption einkalkulieren — dann bleibt selbst bei umschlagendem Bergwetter immer ein befahrbarer Weg über die Hauptkette.